Waterbalancing mit traumatisierten Kindern

Von Dezember 2008 bis Mitte 2010 arbeitete ich in einem Pilotprojekt mit Frau Dorothea Weinberg zusammen. Frau Weinberg ist Diplom-Psychologin und spezialisiert auf Traumatherapie mit Kindern. Sie arbeitet in eigener Praxis in Nürnberg (siehe auch Partner).

Mein Teil der Zusammenarbeit sah so aus, dass ich den Kindern Waterbalancing gab. Ich bot ihnen einen geschützten Wohlfühl-Raum, in dem sie ihren eigenen Körper spüren und in ihrer eigenen Geschwindigkeit Selbst-bewusst-sein erfahren konnten. Was war der Grundgedanke?

Der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther spricht von zwei Grundbedürfnissen und -erfahrungen, die ein Kind hat: wachsen dürfen, auch über sich hinaus wachsen (nach einem Trauma) und dem Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit (Bindung). Alles was danach kommt, setzt sich darauf an Erfahrung – und löscht die ersten nicht.

Mit dem Waterbalancing versuche ich, an diese zwei Urerfahrungen anzuknüpfen, die jedes Kind im Mutterleib gemacht hat. Auch wenn danach schlimme Dinge passieren (Missbrauch, Gewalt, lange Trennungen von der Mutter z.B. durch Frühgeburt, lebensbedrohliche Erfahrungen/Operationen etc.), sehe ich diese Erfahrung als minimale Lebens-Ressource, an die ich anknüpfen mag. Gerne auch in Begleitung und auch aktiver Beteiligung der Eltern, sofern dies für das Kind hilfreich und den Eltern möglich ist.

Bei sexuell ausgebeuteten Kindern scheint es mir auch eine gute Möglichkeit zu sein, angenehme und wohlige Gefühle mit dem eigenen Körper wieder zu verbinden und zulassen zu können. Im Gegensatz zur Dissoziation, die oft während des Missbrauchs und danach erforderlich ist, um (über-)leben zu können.

Die vier Kinder, mit denen ich gearbeitet habe, waren im Alter von 6 bis 13 Jahren. Sie sind durch sexuelle Gewalt ("Missbrauch"), Verwahrlosung und Vernachlässigung traumatisiert. Ein Kind hatte eine ungewöhnliche "Nähe" zum Tod. Die Erfahrungen mit den Kindern sind sehr unterschiedlich. So gelang es beispielsweise, das Waterbalancing bei einem hyperaktiven Kind von unruhigen 10 Sekunden bis zu relativ entspannten 15 Minuten zu steigern. Und zwar schon bei der dritten Begegnung. Ein Junge schlief bereits beim ersten Mal im Wasser tief entspannt ein, ein anderer fühlte sich besonders unter Wasser wohl. Schwierig ist mit Kindern der "Nachweis", welche heilenden Wirkungen das Waterbalancing hat. Oft sind es Samenkörner, die zu gegebener Zeit aufgehen und keimen – wie will ich das messen? Ganz sicher ist, dass es alle Kinder genossen haben. Jedes auf seine Art ...